Ein Friedhof. Ein Gespräch. Ein Gedanke, der weiterreist. Unser Beispiel aus Böblingen zeigt, wie Jugendliche Geschichte in ihrer Nähe entdecken und daraus Ideen für ein friedliches Miteinander entwickeln können.
Im Rahmen der Jugend-Ideenlabore für das künftige Deutsch-Polnische Haus entwickelte die Jugendgruppe „Jugendtreff International Leipheim“ das Projekt „Lokale Erinnerung“. Junge Menschen beschäftigten sich mit dem Schicksal polnischer Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1950 starben.
Die Jugendlichen suchten nicht nur in Büchern nach Antworten. Auf dem Alten Friedhof in Böblingen pflegten sie Gräber, sprachen mit Expertinnen, Experten und Historikern vor Ort und hielten die Erinnerung filmisch fest. So wurde aus einer Spur in der Nachbarschaft ein konkretes, gemeinsames Zeichen der Verantwortung.
Dieser Teil der Geschichte ist im offiziellen Projektarchiv des Deutsch-Polnischen Hauses dokumentiert. Die filmische Dokumentation gehört zum beschriebenen Projekt; die genaue öffentliche Zuordnung einzelner YouTube-Ausschnitte wird weiterhin redaktionell geprüft.
Archivbild von InKontakt. Das konkrete historische Projekt ist über die verlinkte Originalquelle dokumentiert.
02 · DIE IDEE WIRD GETEILT
Berlin 2023: Junge Menschen zeigen, wie Erinnerung lebendig werden kann.
Bei den Jugend-Ideenlaboren entwickelten Gruppen aus Deutschland und Polen elf Ideen für die künftige Bildungsarbeit des Deutsch-Polnischen Hauses. Sie arbeiteten in Workshops an Themen, die Geschichte, Gegenwart und Jugendkultur zusammenführen. Ende November 2023 wurden die Entwürfe bei einer Abschlussveranstaltung in Berlin vorgestellt – darunter auch „Lokale Erinnerung“ aus Leipheim/Böblingen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Die Jugendlichen aus Leipheim haben ihr eigenes lokales Erinnerungsprojekt entwickelt und eingebracht. Die folgenden weiteren Ideen stammen von anderen Jugendgruppen. Wir stellen sie als gemeinsame Inspirationsquelle vor, nicht als alleinige InKontakt-Projekte.
GESCHICHTE HÖRBAR MACHEN
Musikraum · Podcast · Gespräche mit Großeltern
Ein Raum zur Geschichte deutsch-polnischer Musik, ein Podcast über die KZ-Überlebende Jadwiga Ankiewicz und das Format „Oma, wir müssen reden …“ zeigen, wie persönliche Stimmen und biografische Perspektiven zum Nachdenken anregen.
STÄDTE UND ALLTAG ERKUNDEN
Deutsch-polnische Straße · Restaurant · Lublin · Berliner Stadtrallye
Was erzählen Einkaufsstraßen, Speisen und vertraute Orte über Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Modelle einer deutsch-polnischen Straße, die Idee eines Restaurants, die Entdeckung Lublins und eine Stadtrallye zu polnischen Spuren in Berlin machen Kulturgeschichte zugänglich.
ERINNERUNG SICHTBAR GESTALTEN
Themenräume · Leave a trace · Handschlag der Versöhnung
Jugendliche entwarfen Räume zu deutsch-polnischer Geschichte und Kultur, eine Möglichkeit, persönliche Erinnerungen zu hinterlassen, und einen künstlerischen „Handschlag der Versöhnung“. Hier wird Gedenken gestaltbar, ohne es auf ein einzelnes Denkmal zu reduzieren.
UNSER BEITRAG · LEIPHEIM / BÖBLINGEN
Lokale Erinnerung
Das Projekt aus Leipheim fragte: Welche vergessene Geschichte liegt direkt vor unserer Haustür? Durch Friedhofsarbeit, Gespräche und Dokumentation übersetzten die Jugendlichen diese Frage in eine praktische Aktion.
Ein Haus der Begegnung – bereits vor seiner Eröffnung
Das Deutsch-Polnische Haus ist als künftiger Ort des Gedenkens, der Begegnung und des Verstehens in Berlin konzipiert. Die Jugend-Ideenlabore zeigen, wie ein Bildungsprogramm bereits entstehen kann, während der physische Ort noch vorbereitet wird. Das Projekt „Haus ohne Ort“ steht gerade für diese Bildungsarbeit vor Ort und in Netzwerken. Ein eröffnetes fertiges Gebäude behaupten wir nicht.
03 · EINE IDEE FÜR IHRE SCHULE
Wo beginnt Friedensarbeit in Ihrer Stadt?
Nicht jede Schule braucht zuerst eine große Reise. Vielleicht gibt es eine kaum bekannte Biografie, eine ehemalige Zwangsarbeitsstätte, einen Gedenkstein, ein Migrationsarchiv, eine Familiengeschichte oder einen Ort europäischer Begegnung in direkter Nähe. Daraus kann ein partnerschaftliches Projekt mit einer Schule in Polen oder Frankreich entstehen.
Ort entdeckenMit Jugendlichen einen realen lokalen Bezug finden. Fragen sammeln statt Antworten vorzugeben.
Partnerperspektiven verbindenWas sehen Jugendliche in Polen, Frankreich und Deutschland unterschiedlich? Sprachanimation und interkulturelle Methoden helfen beim Gespräch.
Etwas gemeinsam gestaltenEine Stadtrallye, Audiotour, Ausstellung, Kurzfilm, Podcast oder digitale Geschichte – das Medium folgt dem Thema.
Zurück in die StadtDie Ergebnisse vor Ort vorstellen, mit anderen diskutieren, Feedback einholen und eine nächste gemeinsame Frage formulieren.
Bei Erinnerungsarbeit zu Gewalt, Krieg und Verfolgung sind fachliche Begleitung, die Würde der Betroffenen und ein altersangemessener Umgang besonders wichtig.
WEITERE ANREGUNG · UNABHÄNGIGES BEISPIEL
Weinheim: Jugendliche aus drei Ländern begegnen gemeinsam der Geschichte.
Ein Beispiel aus Weinheim zeigt einen weiteren Weg: Ende 2023 reiste eine Gruppe Jugendlicher mit Begleitenden aus dem Stadtjugendring Weinheim nach Auschwitz und begegnete dort Gruppen aus Polen und Frankreich. Die internationale Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen und gemeinsamer Erinnerung wurde zum Anlass für Gespräche über Verantwortung und Gegenwart.
Diese Begegnung ist ein extern dokumentiertes Beispiel, kein als InKontakt-Leistung dargestelltes Projekt. Sie zeigt, wie eine Partnerschaft deutscher, polnischer und französischer Schulen Geschichte über Landesgrenzen hinweg erschließen kann.
Ihre Schule. Ihre Geschichte. Ein gemeinsamer Weg.
Wir begleiten vorbereitende Workshops, interkulturelle Bildungsarbeit, methodische Planung, deutsch-polnische Begegnungen und auf Wunsch die Entwicklung eines Projekts mit bestehenden Partnern.